Fès, Marokko – AFRIKA

Was ist denn los? Warum schreibst du nicht mehr? Wirst du deinen Blog aufgeben?

>> Aber nein! Ich muss zugeben, die letzten Monate ist es etwas rar um mich geworden, aber (!) das hatte auch nur den einzigen, wahrhaftigen Grund, dass ich, um weitere füllende Inhalte für diesen Blog zu garantieren, in den letzten Monaten verreist bin und für euch natürlich darüber berichten werde. Wohin hat es mich verschlagen? Begonnen hat der Sommer mit der jährlichen Kajaktour auf dem, in Südfrankreich gelegenen Fluss, Ardèche, gefolgt von einer Auto-Rundreise durch Kroatien mit Zwischenstopps in Österreich und Slowenien. Im Anschluss folgte ein Adrenalinkick in der AREA47 im österreichischen Ötztal und zu guter Letzt folgte eine Woche auf der toskanischen Fattoria La Vialla mit Abstechern wie zB in das schöne Saturnia zu den Schwefelkaskaden. Ihr seht, ich habe genug Fundus, um weiterhin daraus zu schöpfen und als Vorgeschmack auf das nächste Jahr verrate ich euch bereits jetzt, dass es im Januar/Februar für mich nach Neuseeland und Australien gehen wird. Auf zu neuen Ufern!

Jetzt geht’s aber los mit Fès:

Es begab sich zu jener Zeit im April des Jahres 2015, als Marco Polo und Wikinger Reisen sechs wagemutige Reisende auserwählten um sie auf eine phantastische Reise in das bunte und fast schon schockierend grüne Marokko auszusenden. (An dieser Stelle noch einmal ein unglaubliches Dankeschön für diese Reise an die beiden Unternehmen, die dies gesponsort haben! ) Uns erwarteten neun erfüllte, spannende Tage, begonnen in der Küstenstadt Casablanca, führend durch alle Königsstädte, den Ouzoud-Wasserfällen, den gedeckten Tischen einheimischer Bewohner bis letztlich hin zu der bekanntesten Stadt Marokkos: Marrakesh.

Und nun fragt ihr euch?! Warum beginnt sie ausgerechnet mit Fès? Fès, einer Stadt, von der die meisten noch nichts gehört haben. Genau deshalb! Wir sechs wussten selbst nicht wirklich was uns dort erwarten wird und wir waren begeistert. Wir wurden mitgesogen von dieser marrokanischen Strömung – eine Strömung, die euch durch alle 9000 (!) Gassen der Stadt zieht. Es ist lebendig. Wild. Laut. Dann wieder leise. Die Sonne wirft ihre Strahlen und ihre Schatten durch die engen Stadtläufe. Fussball spielende Kinder kreuzen eure Wege. Marrokaner sitzen am Rand der Einkaufsgassen und beobachten das Getümmel. Nach circa fünf Minuten habt ihr die Orientierung verloren. Aber lasst euch nicht verängstigen, lasst euch mitreissen.

Meine lieben Mitreisenden werden nun ihre Mimik zu einem Schmunzeln formen, wenn ich von den Binis berichte, die es „original nur in Fès“ gibt. Sobald ihr die Stadt Fès betreten werdet, beginnt eine Überschäumung der Floskel „Original, nur in Fès“. Es hat den Anschein als hätte jedes Produkt, welches seinen Ursprung in dieser Stadt findet einen ausgezeichneten, marokkanischen Status, was ihm gleichzeitig einen Unikatsgedanken verleiht. Nachdem wir diesen Wortlaut das geschätzte 50. Mal gehört haben, hat es sich bei uns natürlich zu einem scherzfhaften Insider manisfestiert und schlussendlich war alles original aus Fès: Töpferwaren, Lederfabrikate, Seidenstoffe und eben auch die Binis. Die „Binis“, die ich hier mit Sicherheit falsch geschrieben habe, haben wir gruppenintern zu „Kringeln“ umbenannt. Eine Backware, frisch frittiert (und darauf solltet ihr achten, denn gerade beispielsweise in Marrakesh findet ihr viele „Kringelverkäufer“ auf den Strassen, bei denen ihr nicht wisst, wie frisch deren Ware ist), mit Zucker ummantelt – köstlich! Ein Muss!!!

Damit ihr innerhalb der unendlich wirkenden Gassen nicht komplett die Orientierung verliert, ein Tipp meinerseits: sucht euch einen hohen Turm oder gar die Sonne (solange ihr nicht stundenlang in der Stadt unterwegs seid) um einen Anhaltspunkt und einen Sinn für die Himmelsrichtungen zu behalten. Und im Zweifelsfall: fragt euch durch. So grimmig manch Marokkaner auch drein schaut, so herzlich antworten er.

Unsere Stadtführung am nächsten Tag: und ja, wie ihr raushören könnt, handelte es sich um eine – wirklich gut – organisierte Reise der beiden oben genannten Unternehmen (übrigens die erste und bisher einzige organisierte Reise für mich selbst, ungewohnt, alles aus der Hand zu geben, anders, aber wirklich gut; gerade in Ländern, deren Sprache man nicht spricht.) Wir tingelten wirklich durch gefühlt alle 9000 Gassen, in denen ein Leben herrschte, wie man es im vergleichsweise ruhigen Europa nicht nachempfinden kann. Bepackte Esel kämpfen sich über das Kopfsteinpflaster, Kinder spielen miteinander, ein Markthändler schreit über den anderen, strickende Frauen sitzen am Strassenrand, „Ballack“, was soviel heißt wie „weg da!“ hört man von hinten und man selbst springt zur Seite, weil man weiss, dass ein Motorroller von hinten anbraust. Ich sage euch, nach einem Tag in Fès werdet ihr abends erschöpft ins Bett fallen, aber ich sage euch auch: es wird ein guter Tag gewesen sein!

Unsere Zeit in dieser mitreissenden Stadt war unter anderem gefüllt mit einem Besuch in der Gerberei. Wer noch nicht in einer Gerberei war, wird sie so schnell nicht vergessen. Beeindruckend es live und in dieser Farbvielfalt zu sehen. Der brennende Geruch, der sich durch die Strassen zieht. Die Arbeiter, die mit Leibeskräften das Leder verarbeiten ohne buchstäblich ihre eigene Haut zu retten. Von oben betrachtet ergab sich das Bild eines Malkastens: bunte, große Töpfe, in denen das Leder wieder und wieder gefärbt wird. Am Rand des Malkastens erblicke ich Dächer, auf denen das Leder getrocknet wird. Hinter und neben mir die bereits fertigen Produkte platziert: Taschen, Schuhe, Gürtel – zum Verkauf bereit, nachdem viele Arbeiter ihre Schweißperlen dafür vergossen haben.

Weiter ging es auf unserem Weg hin zu einer Weberei. Wir staunen, als wir in die Räumlichkeiten eintreten. Räume, mit, bis unter die höchsten Decken, gestapelten Stoffen. Eine bunte Welt. Eine kreative Welt. Uns wird erklärt wie aus Agaven die letztliche Seide entsteht und wie sie verarbeitet wird. Wir werden in marokkanische Gewänder umhüllt. Eingewickelt in diese bunten, fröhlichen Stoffe – eingewickelt in Marokko.

Was mich persönlich allerdings am meisten beeindruckt hat, weil ich Keramik, buntes Geschirr und alles was damit zu tun hat, liebe: die Töpferei. Ich kann es nicht anders in Worte fassen, als dass ich wirklich hin und weg war, als uns der Weg von den Grundbestandteilen, über den Brennvorgang bis hin zum letzten farblichen Feinschliff erklärt wurde; Arbeiter zu sehen, die kleinste Mosaikbestandteile manuell zurecht schlagen. Handarbeit, die man zu schätzen wissen sollte. Zu sehen, wie die traditionellen Tajines –  das sind die, aus Lehm hergestellten, Schmorgefäße mit spitz zulaufendem Deckel, in denen die meisten marokkanischen Speisen gekocht werden – produziert werden, lackiert werden – oder dass sie teilweise bewusst nicht lackiert werden, je nachdem für welche Herdflamme sie hergestellt werden: wirklich interessant! Hier müsst ihr nun selbst entscheiden, ob ihr eine „Original-Tajine aus Fès“ mitnehmen möchtet, oder ob ihr in Marrakesh auf dem Markt eine für fünf Euro kauft.

Und nun kommt das Beste zum Schluss: nachdem unsere Tagesführung beendet war gingen wir wieder zu unserer Unterkunft zurück, einem Riad, einem Herrenhaus. Marrokanische Riads – und wir hatten das Glück, dass wir während unserer Reise gleich in drei unterschiedlichen Riads nächtigen durften – wirken von außen äußerst unscheinbar. Ursprünglich wurden sie eben erbaut, um die Privatsphäre, der damals dort lebenden Herren, zu garantieren. Würde also kein Schild an der Eingangstür auf das dort befindliche Riad hinweisen, so würde man einfach an dieser eintönigen Lehmmauer vorbeilaufen. Innerhalb des Riads passiert ihr normalerweise noch ein bis zwei Gänge, bis ihr schlussendlich an dem prunkvollen Hof, dem Herzstück des Herrenhaus, der meist mit einem Brunnen oder gar einem Pool versehen ist, angelangt seid. Von diesem zentralen Punkt aus, gehen symmetrisch die entsprechenden Gästezimmer ab, sodass sich der Hof, auch von oberen Etagen betrachtet, immer wieder als Mittelpunkt wiederfindet. Das komplette Riad strahlt durch die edlen Hölzer und Steinböden und die unzähligen, kleinen Details eine marokkanische Eleganz aus, wie ihr sie in keinem Hotel finden werdet. Also tut euch selbst einen Gefallen und verbringt mindestens eine Nacht eurer Reise in einem solchen Herrenhaus.

Ich hoffe, ich konnte euch von Fès genauso begeistern, wie ich es bin und wünsche euch in meinem nächsten Blog viel Spaß mit der Insel Mljet, Kroatien.

kroatien_mljet
Insel Mljet, Kroatien

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Riad in Fès
blende2
Marrokaner bei der Waschung
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Gerberei von oben
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Gefertigte Stoff- und Lederschuhe
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KRINGEL 🙂
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Töpferei
beruhrend
… auf unserem Weg nach Fès
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Leder bei der Trocknung
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Auf dem Markt in Fès
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Waschpaste für das Hamam
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Verzierung der gebrannten Lehmgefäße
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Handarbeit – Mosaiktisch aus manueller Herstellung

 

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4 Gedanken zu “Fès, Marokko – AFRIKA

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